Gronau aktuell

„Dann helfen wir dem Kind“

19.02.2015

Ein Zimmer, in dem genesende Teens „abhängen“ können; ein Elternzimmer, wo sich Mütter und Väter während der Behandlung ihrer Kinder aufhalten können. 32 Betten in der Abteilung plus 17 für Neugeborene und drei für Mütter und Neugeborene. 13 Kinderärzte, die sich um die jungen Patienten kümmern, sechs bis acht Assistenzärzte, dazu das Pflegepersonal: Das „Frau/Kind“-Zentrum des Medisch Spectrum Twente (MST) bietet – bis auf eine Intensivstation – alles, um Menschen von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr medizinisch zu versorgen. Ab sofort auch junge Patienten aus Gronau und Umgebung. Allerdings nur in der Notfallversorgung und nach einer Überweisung durch den Hausarzt oder Mediziner des Krankenhauses.

Natürlich ist das nicht das, wofür sich die „Initiative Pro Kinderstation“ ursprünglich eingesetzt hat: eben eine eigene Kinderstation am Gronauer Antonius-Hospital. „Aber dass sie nicht locker gelassen hat, sondern nach dem Scheitern dieses Plans nach der zweitbesten Lösung gesucht hat, ist den Mitgliedern hoch anzurechnen“, so Gronaus Bürgermeisterin Sonja Jürgens. Sie besuchte am Dienstagnachmittag mit Vertretern von „Pro Kinderstation“ das MST. Außerdem dabei: Dr. Jürgen Wigger, ärztlicher Direktor des Antonius-Hospitals, Renate Egbert (Krankenhausplanung Bezirksregierung), und Marieke Maes (Euregio). MST-Vorstandsvorsitzender Bas Leerink begrüßte die Gäste, und Kinderärztin Anne Jonge-Poerink führte die Besucher durch die Station, die gleich auf mehrere Stockwerke verteilt ist.

Schon in der Vergangenheit sind Kinder aus Deutschland in Enschede behandelt worden, sagt Jonge-Poerink zur Überraschung der Anwesenden. Hintergrund: Das MST ist auch Mitglied im grenzüberschreitenden Verbund der Traumazentren. Bei Unfällen schwer verletzte Kinder konnten also schon bisher in Enschede aufgenommen und versorgt werden.

Nun können Kinder und Jugendliche auch bei anderen akuten Fällen das MST in Anspruch nehmen.

Intensive Verhandlungen mit den Krankenkassen waren notwendig. Dabei vermittelte das Bureau Acute Zorg Euregio. Cees Schenkeveld und Alexandra Ziemann haben die juristischen Aspekte abgeklopft und das Prozedere entwickelt.

Kern der Vereinbarung ist, dass die Versorgung am MST nur bei akuten Eingriffen erfolgt – nicht aber bei geplanten Behandlungen. Außerdem muss eine Überweisung durch einen deutschen Arzt erfolgen. Und was, wenn Eltern aus Gronau mit ihrem kranken Kind doch direkt zum MST fahren? „Dann helfen wir dem Kind“, sagt Anne Jonge-Poerink. Nur: Ob die Eltern anschließend nicht auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben – das ist die Frage. Darum rät Alexandra Ziemann, im Fall des Falles so schnell wie möglich Kontakt mit der Krankenkasse aufzunehmen. Auch um die Inanspruchnahme möglicher Zusatzleistungen abzuklären.

Für die Elterninitiative waren die vergangenen zweieinhalb Jahre „ein steiniger, arbeitsintensiver Weg“, wie Stephanie Wiroth-Koop sagt, die Gründerin der Initiative. Doch bei allem berechtigten Stolz, den die Mitglieder empfinden: Für sie ist die jetzige Lösung nur eine Zwischenstation. „Es muss doch möglich sein, dass unsere Kinder und Jugendlichen auch bei geplanten Eingriffen stationär in Enschede behandelt werden“, meint Michael Förster von der Elterninitiative. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da – allerdings gibt es immer wieder Schwierigkeiten, den gemeinsamen europäischen Markt auch für das Gesundheitswesen durchzusetzen.

Dr. Jürgen Wigger kennt das Problem: Auch das Gronauer Krankenhaus hat Verträge mit niederländischen Versicherungen abgeschlossen. Patienten, die in den Niederlanden lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, können sich für bestimmte Operationen in Gronau behandeln lassen. Allerdings sind derartige Projekte von den Genehmigungen der Krankenversicherungen abhängig – und die können gekündigt werden. „Das Projekt mit dem MST scheint mir aber eine stabile Lösung zu sein“, sagt er. Wie seine Kollegen am Krankenhaus sind alle Hausärzte in Gronau über die neue Kooperation informiert. Wenn es medizinisch notwendig ist und die Eltern es wünschen, können die Ärzte die Kinder ins MST überweisen – dann übernehmen die Krankenkassen auf jeden Fall die Kosten.

An der Kompetenz der medizinischen Versorgung dürfte kein Zweifel bestehen – doch wie sieht es mit der Verständigung aus? Anne Jonge-Poerink spricht fließend Deutsch, ihre Kollegen, sagt sie, auch ein bisschen, und alle können Englisch. „Wir schaffen das schon“, beruhigt sie und verweist auf die Tatsache, dass auch jetzt schon Patienten ins MST kommen, die kaum ein Wort Niederländisch können.

Von der Abteilung zeigen sich die Besucher aus Gronau sehr angetan. „Modern, nett und freundlich“, fasst Annette Bretall von der Elterninitiative zusammen. Die Voraussetzungen sind gegeben – jetzt müsse es darum gehen, für das Projekt bei den Eltern zu werben und das notwendige Vertrauen zu schaffen.

Quelle: Di., 17.02.2015 WN, Martin Borck

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Borken/Gronau/1892251-Besuch-im-Frau-Kind-Zentrum-des-Medisch-Spectrum-Twente-Dann-helfen-wir-dem-Kind

Hier der Link zum Bericht TV Enschede Niewuws

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